#059 - Rohstoffströme über Gewerke hinweg neu denken: regional, vernetzt, zirkulär

Geschrieben von Isabelle Armani | Jul 18, 2026 11:54:05 AM

Die Bauindustrie verursacht über die Hälfte des deutschen Abfallaufkommens und verbraucht mehr als 60 Prozent unserer natürlichen Rohstoffe. Klingt dramatisch? Das ist es auch. Gleichzeitig schlummert hier ein enormes Potenzial.

Genau darüber spreche ich in der aktuellen Podcastfolge mit Ole Weber, der an am IWARU - FH Münster zu diesem Thema forscht.

Die unbequeme Wahrheit:

Eine 90-Prozent-Verwertungsquote klingt beeindruckend, ist aber Augenwischerei.  Große Mengen landen in Verfüllungen, was kaum besser ist als Deponierung. Die echte Substitutionsquote durch Recyclingmaterialien beträgt nur etwas mehr als 10 Prozent.

Das Kernproblem ist nicht die Technik, sondern die Kommunikation. Baustoffhersteller, Bauunternehmen, Planer und Recyclinganlagen verfügen oft nicht über die relevanten Informationen zur richtigen Zeit. 

Was sich ändern muss:

• Selektiver Rückbau statt Massenabbruch
Die Qualität von Recyclingmaterialien steigt drastisch, wenn sie beim Rückbau sorgfältig getrennt werden. 

• Regionale Denke statt globale Logistik
Bei Transportradien über 40 Kilometern übersteigen die CO₂-Emissionen häufig bereits den Materialwert. Dezentrale Recyclinganlagen sind nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll.

• Anreizmechanismen statt starre Quoten
Öffentliche Ausschreibungen sollten Recyclingmaterialien bevorzugen. Praxisorientierte Regelwerke, die einfach umsetzbar und flexibel steuerbar sind, ändern mehr als starre Vorgaben.

• Sekundärmaterialien als Rohstoffe denken, nicht als Abfall
Sprache schafft Realität. Wer von „Demontage, Rückbau und Sekundärrohstoffen" spricht, verändert die Wahrnehmung.

Die Chancen sind wirtschaftlich:

Selektiver Rückbau sichert Wertströme und senkt Entsorgungskosten. Jede Region braucht ein strategisches Stoffstrommanagement, das ähnlich wie die kommunale Wärmeplanung funktioniert. Mit den richtigen Netzwerken zwischen Herstellern und Recyclingunternehmen können kreislaufwirtschaftliche  Marktmechanismen in Gang gesetzt werden.

Die Grundlagen existieren bereits. Wir müssen nur ins Handeln kommen.

Wie nehmt ihr das Thema Kreislaufwirtschaft in euren Projekten an? 

🎧 Hört jetzt rein und erfahrt mehr über den aktuellen Stand der Forschung!

Bis zur Veröffentlichung am 05.10.2026 kannst du dir hier die aktuelle Folge von Tiefgründig anhören: